Betrug mit KI-Stimmen – was die Warnung von Sam Altman für Bankkunden bedeutet

Was hinter der Warnung von OpenAI-Chef Sam Altman steckt und wer bei Betrug mit gefälschter Stimme haftet

Künstliche Intelligenz kann Stimmen und Gesichter täuschend echt nachahmen. OpenAI-Chef Sam Altman hat Banken deshalb vor Sicherheitsverfahren gewarnt, die auf die Stimme setzen. Rogert & Ulbrich erklärt, was an der Warnung dran ist, wer haftet, wenn Betrüger mit KI an Ihr Geld kommen, und wie Sie sich schützen.

Was Sam Altman tatsächlich gesagt hat

In sozialen Netzwerken kursiert derzeit eine zugespitzte Fassung einer Warnung von Sam Altman. Die Äußerungen stammen von einer Konferenz der US-Notenbank Federal Reserve im Juli 2025. Dort sprach Altman vor Vertretern der Finanzbranche über die Folgen von KI für die Sicherheit im Bankwesen.

Seine Kernaussagen: Einige Finanzinstitute akzeptieren noch immer die Stimme als Nachweis der Identität. Das hält Altman für leichtsinnig, weil KI dieses Verfahren vollständig ausgehebelt habe. Er warnte vor einer bevorstehenden erheblichen Betrugskrise. Nach den Stimmen würden bald auch Videoanrufe so gut gefälscht, dass sie von der Realität nicht mehr zu unterscheiden seien.

Die Behauptung, Altman habe angekündigt, dass Bankeinlagen verschwinden würden, findet sich in den Berichten über seine Rede nicht. Seine Warnung betrifft die Gefahr, dass Betrüger mit gefälschten Stimmen und Videos Überweisungen auslösen oder Menschen zu Zahlungen verleiten. Das ist ernst genug.

Sie haben Zweifel, ob ein Anruf Ihrer Bank echt war? Prüfen Sie Ihr Konto und lassen Sie sich beraten, wenn etwas nicht stimmt.

So funktioniert Betrug mit KI-Stimmen und Deepfakes

Für einen Stimmklon genügen Betrügern oft wenige Sekunden Tonmaterial, etwa aus Videos in sozialen Netzwerken oder aus einem kurzen Telefonat. Die Software erzeugt daraus eine Stimme, die beliebige Sätze sprechen kann. In der Praxis zeigen sich vor allem drei Muster:

  • Täuschung der Bank: Betrüger geben sich gegenüber der Bank mit der geklonten Stimme als Kontoinhaber aus und lassen Überweisungen ausführen oder Sicherheitsmerkmale ändern.
  • Schockanruf mit vertrauter Stimme: Ein angeblicher Angehöriger meldet sich in einer Notlage und bittet um eine dringende Überweisung. Die Stimme klingt echt.
  • Falscher Bankmitarbeiter: Ein Anrufer gibt sich als Mitarbeiter der Bank aus und bringt Kunden dazu, Zahlungen freizugeben oder Geld auf ein angebliches Sicherheitskonto zu überweisen.
  • Gefälschte Videokonferenz: Vor allem Unternehmen werden mit Videoanrufen getäuscht, in denen vermeintliche Vorgesetzte Zahlungen anweisen.

Wie wirksam solche Methoden sind, zeigte ein bekannt gewordener Fall aus Hongkong. Dort überwies ein Mitarbeiter eines international tätigen Unternehmens Anfang 2024 rund 25 Millionen US-Dollar, nachdem er an einer Videokonferenz mit gefälschten Kollegen teilgenommen hatte.

Sie haben auf einen solchen Anruf reagiert und Geld überwiesen? Handeln Sie sofort, denn jede Stunde kann über die Rückholung entscheiden.

Wer haftet, wenn Betrüger sich als Sie ausgeben?

Rechtlich kommt es entscheidend darauf an, wer die Zahlung ausgelöst hat. Geben sich Betrüger gegenüber Ihrer Bank als Sie aus und veranlassen eine Überweisung, haben Sie dieser Zahlung nicht zugestimmt. Es handelt sich um einen nicht autorisierten Zahlungsvorgang.

Für diesen Fall ist die Rechtslage klar: Nach § 675u BGB muss die Bank den Betrag erstatten. Der Europäische Gerichtshof hat im Oktober 2026 bestätigt, dass Banken diese Erstattung nicht schon mit dem Vorwurf verweigern dürfen, der Kunde habe grob fahrlässig gehandelt.

Die Bank kann sich das Geld nur dann vom Kunden zurückholen, wenn sie ihm Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit nachweist. Das dürfte schwerfallen, wenn die Bank selbst ein Verfahren eingesetzt hat, das sich durch eine gefälschte Stimme überlisten lässt. Wer als Bank auf unsichere Methoden setzt, trägt dafür grundsätzlich das Risiko.

Ähnliches gilt für Online-Banking-Betrug, bei dem Täter mit erschlichenen Zugangsdaten selbst Zahlungen auslösen.

Ihre Bank verweigert die Erstattung einer Zahlung, die Sie nicht veranlasst haben? Lassen Sie die Ablehnung prüfen.

Wenn Sie selbst überwiesen haben

Schwieriger ist die Lage, wenn Sie die Überweisung selbst in Auftrag gegeben haben, etwa nach einem Schockanruf mit der geklonten Stimme eines Angehörigen. Rechtlich ist die Zahlung dann autorisiert, auch wenn Sie getäuscht wurden. Die Erstattungspflicht nach § 675u BGB greift in diesem Fall grundsätzlich nicht.

Ganz chancenlos sind Betroffene trotzdem nicht. Je nach Fall kommen andere Wege in Betracht:

  • Rückruf der Überweisung: Melden Sie den Betrug sofort Ihrer Bank. Ist das Geld noch nicht beim Empfänger gutgeschrieben oder verfügbar, lässt sich die Zahlung unter Umständen noch stoppen.
  • Pflichten der Bank: Bei ungewöhnlichen Zahlungen, die erkennbar auf einen Betrug hindeuten, können Banken zu Warnungen verpflichtet sein. Ob eine solche Pflicht verletzt wurde, hängt von den Umständen ab.
  • Empfängerüberprüfung: Seit Oktober 2025 müssen Banken im Euroraum vor einer Überweisung prüfen, ob Name und IBAN des Empfängers zusammenpassen. Eine Warnung bei Abweichungen kann für die Frage der Haftung eine Rolle spielen.
  • Ansprüche gegen Empfänger: Gegen die Inhaber der Empfängerkonten bestehen Ansprüche, auch wenn sie oft schwer durchzusetzen sind.

Erstatten Sie in jedem Fall Strafanzeige und sichern Sie alle Nachweise: Anruflisten, Nachrichten, Überweisungsbelege und Notizen zum Gesprächsverlauf.

Sie wurden mit einer gefälschten Stimme zu einer Zahlung gedrängt? Lassen Sie prüfen, ob gegen Ihre Bank oder andere Beteiligte Ansprüche bestehen.

So schützen Sie sich vor Betrug mit KI-Stimmen

Die beste Verteidigung gegen gefälschte Stimmen und Videos ist ein gesundes Misstrauen und eine feste Routine. Diese Regeln helfen:

  • Zurückrufen: Legen Sie bei ungewöhnlichen Anrufen auf und rufen Sie die Person oder Ihre Bank unter der Ihnen bekannten Nummer zurück.
  • Codewort vereinbaren: Verabreden Sie mit Angehörigen ein Codewort für Notfälle, das niemand anders kennt.
  • Keine Freigaben am Telefon: Ihre Bank fordert Sie nicht am Telefon auf, Zahlungen freizugeben, TANs zu nennen oder Geld auf ein Sicherheitskonto zu überweisen.
  • Stimme nicht als Sicherheit nutzen: Verzichten Sie, wo möglich, auf die Anmeldung per Stimme und nutzen Sie stattdessen sichere Verfahren in der Banking-App.
  • Limits setzen: Niedrige Überweisungs- und Echtzeitlimits begrenzen den möglichen Schaden.
  • Öffentliche Aufnahmen begrenzen: Je weniger Sprach- und Videoaufnahmen von Ihnen öffentlich zugänglich sind, desto schwerer wird ein Klon.

Weitere Maschen, mit denen Kriminelle an Geld gelangen, beschreiben wir im Bereich Online-Betrug.

Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Echte Notfälle halten einen Rückruf von zwei Minuten aus.

Was Banken jetzt tun müssen

Altmans Warnung richtete sich vor allem an die Finanzbranche. Banken sind verpflichtet, bei Zahlungen eine starke Kundenauthentifizierung einzusetzen, die mindestens zwei voneinander unabhängige Merkmale verbindet, etwa Wissen, Besitz und biometrische Eigenschaften. Verfahren, die sich mit einer gefälschten Stimme überwinden lassen, werden diesem Anspruch kaum noch gerecht.

Für Kunden ist das mehr als eine technische Frage. Setzt eine Bank auf ein Verfahren, das nach dem Stand der Technik als unsicher gilt, kann das im Streit um die Haftung zu ihren Lasten gehen. Kommt es zu einem Schaden, lohnt deshalb ein genauer Blick darauf, wie die Bank die Identität geprüft hat.

Wurde bei Ihnen eine Zahlung nach einem Telefonat mit der Bank ausgelöst? Fragen Sie nach, wie Ihre Identität geprüft wurde, und lassen Sie die Antwort rechtlich bewerten.

Rogert & Ulbrich – Ihre Anwälte bei Bank- und Onlinebetrug

Rogert & Ulbrich vertritt Verbraucher im Bankrecht gegenüber Banken und Zahlungsdienstleistern. Die Partner Dr. Marco Rogert und Tobias Ulbrich verfügen über umfangreiche Erfahrung mit Betrugsfällen im Online-Banking und mit Fragen rund um künstliche Intelligenz.

Wir prüfen, ob eine Zahlung autorisiert war, ob Ihre Bank zur Erstattung verpflichtet ist und ob sie ihre Sorgfaltspflichten verletzt hat. Wir setzen Ihre Ansprüche außergerichtlich und vor Gericht durch.

Sie sind Opfer eines Betrugs mit gefälschter Stimme oder gefälschtem Video geworden? Nehmen Sie Kontakt auf und sichern Sie Ihre Ansprüche.

FAQs – Häufig gestellte Fragen zu Betrug mit KI-Stimmen