Free Days bei den großen Reedereien: Maersk, MSC, Hapag-Lloyd, CMA CGM, ONE und Cosco im Vergleich

Freistellzeiten bei Demurrage und Detention je Reederei und Hafen – Orientierung für Importeure und Spediteure

Free Days entscheiden darüber, ab wann Demurrage und Detention überhaupt anfallen. Wer die Freistellzeiten der großen Reedereien und ihre Unterschiede je Hafen kennt, kann Abholung und Rückgabe so steuern, dass Standgeld gar nicht erst entsteht. Dieser Überblick zeigt die übliche Struktur – und Rogert & Ulbrich hilft, wenn dennoch eine Forderung droht.

Was Free Days sind und warum sie über Standgeld entscheiden

Free Days sind die vertraglich eingeräumten freien Tage, in denen die Reederei kein Standgeld berechnet. Erst nach ihrem Ablauf beginnt die Uhr zu laufen – meist mit gestaffelt steigenden Tagessätzen. Wer innerhalb der Freistellzeit abwickelt, zahlt nichts; wer sie überschreitet, sieht sich schnell mit erheblichen Forderungen konfrontiert.

Für Importeure und Spediteure sind die Free Days deshalb die wichtigste Stellschraube der Kostenkontrolle. Sie zu kennen heißt, Verzögerungen einzuplanen und Puffer zu schaffen. Wie Demurrage und Detention insgesamt zusammenhängen, lesen Sie in unserem Ratgeber zu Demurrage und Detention im Containertransport.

Sie planen einen Import über Antwerpen, Rotterdam oder Hamburg? Klären Sie vorab die Freistellzeiten Ihrer Reederei, um Standgeld zu vermeiden.

Demurrage- und Detention-Free-Days – zwei getrennte Uhren

Ein häufiger und teurer Irrtum ist die Annahme, es gebe nur ein einziges Zeitfenster. Tatsächlich laufen für Demurrage und Detention oft zwei verschiedene Uhren mit unterschiedlichen Freistellzeiten.

  • Demurrage Free Days: Beziehen sich auf den vollen Container, der nach Ankunft auf dem Terminal steht und abgeholt werden muss. Gezählt wird die Zeit bis zur Abholung.
  • Detention Free Days: Beziehen sich auf den Container, der das Terminal verlassen hat und leer zurückgegeben werden muss. Gezählt wird die Zeit bis zur Rückgabe.
  • Kombinierte Modelle: Manche Reedereien fassen beide Zeiträume zu einer gemeinsamen Free Time zusammen. Dann gilt eine einheitliche Frist für Abholung und Rückgabe.

Wer nur die eine Uhr im Blick hat, läuft Gefahr, die andere zu überschreiten. Gerade bei kombinierten Modellen lohnt der genaue Blick in die Bedingungen. Welche Frist konkret gilt, ergibt sich aus dem jeweiligen Tarif und dem Vertrag.

Unsicher, welche Uhr in Ihrem Fall läuft? Lassen Sie die einschlägige Tarifregelung prüfen, bevor Fristen verstreichen.

Free Days im Vergleich: die sechs großen Reedereien

Maersk, MSC, Hapag-Lloyd, CMA CGM, ONE und Cosco gewähren unterschiedliche Freistellzeiten und berechnen nach Ablauf gestaffelte Tagessätze. Die folgende Übersicht zeigt die übliche Struktur. Die konkreten Tage hängen von Fahrtgebiet, Hafen, Containerart und Vertrag ab und werden von den Reedereien regelmäßig angepasst – die exakten Werte sind daher stets am aktuellen Tarif zu prüfen.

ReedereiDemurrage Free Days (typ.)Detention Free Days (typ.)Hinweis
Maerskca. 3–7 Tageca. 3–7 Tageteils getrennte Modelle
MSCca. 3–7 Tageca. 3–7 Tageregionale Unterschiede
Hapag-Lloydca. 4–7 Tageca. 4–7 Tagehafenabhängig
CMA CGMca. 3–7 Tageca. 3–7 Tagekombinierte Modelle möglich
ONEca. 4–7 Tageca. 4–7 Tagetrade-lane-spezifisch
Coscoca. 3–7 Tageca. 3–7 Tageabweichend in Spitzenzeiten

Redaktionshinweis: Die angegebenen Spannen dienen nur der Orientierung. Vor Veröffentlichung sind die aktuellen, hafen- und fahrtgebietsbezogenen Free Days der einzelnen Reedereien aus deren offiziellen Tarifangaben zu recherchieren und einzutragen.

Auffällig ist, dass sich die Reedereien in der Grundstruktur ähneln, in den Details aber deutlich unterscheiden – insbesondere bei kombinierten Modellen und bei der Behandlung von Spezialcontainern. Schon ein oder zwei Tage Unterschied können bei mehreren Containern erhebliche Beträge ausmachen. Der direkte Vergleich lohnt sich deshalb vor jeder Disposition.

Wollen Sie wissen, ob die berechneten Tage Ihrem Tarif entsprechen? Lassen Sie die Abrechnung prüfen, bevor Sie zahlen.

Warum sich Free Days nach Hafen und Fahrtgebiet unterscheiden

Die gleiche Reederei kann in Antwerpen, Rotterdam und Hamburg unterschiedliche Free Days gewähren. Das liegt an lokalen Terminalbedingungen, an der Auslastung und an den jeweiligen Marktverhältnissen. In Phasen hoher Auslastung oder bei Engpässen werden Freistellzeiten häufig verkürzt, um den Umschlag zu beschleunigen.

Hinzu kommt das Fahrtgebiet: Auf stark frequentierten Routen gelten oft andere Tarife als auf Nebenstrecken. Für Importeure mit festem Hafen-Routing bedeutet das, dass sie ihre Freistellzeiten nicht pauschal, sondern hafen- und routenbezogen kalkulieren sollten. Wer regelmäßig über dieselben Nordrange-Häfen importiert, profitiert von einer dokumentierten Übersicht der jeweils geltenden Werte.

Importieren Sie über mehrere Häfen? Lassen Sie sich eine hafenbezogene Übersicht Ihrer Free Days erstellen und vertraglich absichern.

Wenn die Free Days nicht reichen: gestaffelte Tagessätze und Detention-Fallen

Nach Ablauf der Freistellzeit greift die Staffelung. Die Tagessätze steigen typischerweise in Blöcken an, sodass die ersten Überschreitungstage noch moderat, spätere aber sehr teuer sind. Eine Verzögerung von wenigen Tagen kann so überproportional ins Geld gehen.

Besonders tückisch ist die Detention-Falle bei der Leercontainer-Rückgabe: Wird der Container nicht rechtzeitig oder am falschen Depot zurückgegeben, läuft die Detention weiter, obwohl die Ware längst entladen ist. Häufig liegt die Ursache bei Umständen, die der Empfänger nicht steuern kann – etwa bei Depot-Annahmestopps, Staus oder Streiks. In solchen Fällen ist zu prüfen, ob die Forderung überhaupt berechtigt ist und ob die zugrunde liegende Klausel einer AGB-Kontrolle standhält. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag dazu, wann Demurrage-Klauseln der Reedereien unwirksam sind.

Tagessätze laufen bereits auf? Lassen Sie prüfen, ob die Staffelung und die Ursache der Verzögerung die Forderung tragen.

So nutzen Sie Free Days strategisch und wehren überhöhte Forderungen ab

Free Days sind kein Naturgesetz, sondern Verhandlungs- und Steuerungsgröße. Wer sie aktiv managt, vermeidet Standgeld oder reduziert es deutlich. Die folgenden Schritte helfen:

  • Free Days vorab klären: Erfragen Sie die geltenden Demurrage- und Detention-Free-Days je Hafen und Containerart, bevor die Sendung losgeht.
  • Puffer einplanen: Berücksichtigen Sie absehbare Verzögerungen durch Zoll, Terminalstaus oder Feiertage in Ihrer Disposition.
  • Bessere Konditionen verhandeln: Bei regelmäßigem Volumen lassen sich verlängerte Free Days oder günstigere Staffelungen vereinbaren.
  • Abrechnung kontrollieren: Gleichen Sie berechnete Tage und Sätze mit dem vereinbarten Tarif ab und prüfen Sie die Ursache jeder Verzögerung.
  • Unberechtigte Forderungen abwehren: Lassen Sie Klausel, Ursache und anwendbares Recht prüfen, statt vorschnell zu zahlen.

In vielen Fällen lässt sich bereits außergerichtlich eine erhebliche Reduktion erreichen, weil die Reederei ihre Pauschale nicht vollständig belegen kann oder die Verzögerung einem Dritten zuzurechnen ist. Bleibt eine Einigung aus, folgt die gerichtliche Abwehr. Je früher die Strategie steht, desto stärker ist Ihre Position.

Stehen hohe Standgeldforderungen im Raum? Lassen Sie Ihre Einwendungen prüfen, solange die Forderung noch offen ist.

Rogert & Ulbrich – Ihre Anwälte im Transport- und Speditionsrecht

Rogert & Ulbrich berät Importeure, Spediteure und Logistikunternehmen rund um Free Days, Demurrage und Detention im Containerverkehr. Die Rechtsanwälte Dr. Marco Rogert und Tobias Ulbrich und ihr mehrsprachiges Team kennen die Tarifmodelle der großen Reedereien und die Besonderheiten der Nordrange-Häfen aus der täglichen Praxis.

Wir prüfen Abrechnungen und Klauseln, sichern bessere Konditionen ab und setzen Ihre Einwendungen durch, wenn trotz Freistellzeiten überhöhte Forderungen entstehen – außergerichtlich ebenso wie vor Gericht. Über unseren Dutch Desk berücksichtigen wir auch die niederländische Rechtslage bei Verkehren über Rotterdam und Antwerpen.

Ob überschrittene Free Days, strittige Detention-Forderung oder Vertragsverhandlung: Nehmen Sie Kontakt auf und sichern Sie Ihre Position.

FAQs – Häufig gestellte Fragen zu Free Days bei Reedereien