Kryptobetrug und “Pig Butchering” – So funktionieren moderne Betrugsmaschen mit Kryptowährungen

Der Betrug mit Kryptowährungen hat weltweit stark zugenommen und entwickelt sich zunehmend zu einer der bedeutendsten Formen digitaler Wirtschaftskriminalität. Organisierte Tätergruppen nutzen gezielt das Vertrauen von Menschen aus, die in Kryptowährungen investieren oder sich erstmals mit diesem Markt beschäftigen. Besonders verbreitet sind strukturierte Anlagebetrugsmodelle, bei denen Opfer über einen längeren Zeitraum hinweg finanziell ausgebeutet werden. Eine dieser Vorgehensweisen wird international als Pig Butchering bezeichnet.

Zunehmende Fälle von Kryptobetrug in Deutschland und weltweit

Der Anstieg von Kryptobetrug ist nicht nur international zu beobachten, sondern zeigt sich auch deutlich in Deutschland. Zahlen der Verbraucherzentralen belegen diese Entwicklung. Im ersten Halbjahr 2025 wurden bundesweit über 250 Beschwerden im Zusammenhang mit Betrug mit Kryptowährungen registriert. Damit hat sich die Zahl der gemeldeten Fälle im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Jahres 2024 etwa verdoppelt. Fachstellen gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl der betroffenen Menschen deutlich höher liegt, da viele Fälle nicht gemeldet werden.

Weltweit entstehen durch Kryptobetrug Schäden in Milliardenhöhe. Europäische und internationale Ermittlungsbehörden warnen davor, dass Onlinebetrug andere Formen organisierter Wirtschaftskriminalität künftig übertreffen könnte. Die zunehmende Professionalisierung der Täter trägt maßgeblich zu dieser Entwicklung bei.

Warum Kryptowährungen für Betrüger besonders geeignet sind

Kryptowährungen gelten für viele Menschen weiterhin als schwer durchschaubar. Technische Abläufe, Handelsmechanismen und rechtliche Rahmenbedingungen sind komplex und für Außenstehende oft nicht nachvollziehbar. Hinzu kommt, dass Kryptowährungen wie Bitcoin in den meisten Staaten kein offizielles Zahlungsmittel darstellen und keinen staatlichen Schutz genießen. Ihr Wert bemisst sich ausschließlich an Angebot und Nachfrage.

Diese Eigenschaften machen Kryptowährungen für Betrüger besonders attraktiv. Transaktionen erfolgen digital, grenzüberschreitend und teilweise anonym. Zudem bestehen technische Möglichkeiten, Zahlungsströme zu verschleiern oder über mehrere Stationen weiterzuleiten. Für Opfer wird es dadurch schwierig, den Verbleib ihres Geldes nachzuvollziehen.

Kontaktaufnahme und gezielter Vertrauensaufbau

Beim Kryptobetrug erfolgt die Ansprache der Opfer auf vielfältige Weise. Täter nutzen soziale Netzwerke, Messenger Dienste oder berufliche Plattformen, um Kontakt herzustellen. Teilweise werden gefälschte Anzeigen oder Videos eingesetzt, in denen angeblich erfolgreiche Investoren oder bekannte Persönlichkeiten für bestimmte Plattformen werben.

Der Vertrauensaufbau erfolgt meist schrittweise. Die Täter geben sich sachkundig, freundlich und zurückhaltend. Häufig befinden sich die späteren Opfer in persönlichen oder wirtschaftlichen Umbruchphasen und sind dadurch empfänglicher für scheinbar attraktive Investitionsangebote. Auch Menschen mit technischer oder wirtschaftlicher Vorbildung sind betroffen, da die Betrugsmodelle professionell umgesetzt werden und einen seriösen Eindruck vermitteln.

Pig Butchering als strukturierte Form des Anlagebetrugs

Eine besonders systematische Form des Kryptobetrugs ist das sogenannte Pig Butchering. Dabei handelt es sich um ein mehrstufiges Vorgehen. Zunächst wird Vertrauen aufgebaut, häufig über längere Zeiträume hinweg. Anschließend werden die Opfer dazu bewegt, erste kleinere Beträge zu investieren. Diese Investitionen zeigen auf manipulierten Plattformen scheinbare Gewinne.

In der nächsten Phase werden höhere Summen gefordert, oft unter Hinweis auf besondere Marktchancen oder zeitlich begrenzte Möglichkeiten. Sobald keine weiteren Einzahlungen erfolgen oder das maximale finanzielle Potenzial ausgeschöpft ist, bricht der Kontakt ab. Die investierten Gelder sind zu diesem Zeitpunkt in der Regel nicht mehr verfügbar.

Organisation und Arbeitsteilung der Täter

Hinter diesen Betrugssystemen stehen regelmäßig keine Einzeltäter, sondern arbeitsteilig organisierte Strukturen. Einzelne Gruppen übernehmen die Kontaktaufnahme, andere führen die Gespräche, während wiederum andere für den technischen Betrieb der Plattformen oder für Zahlungsabwicklung zuständig sind. Teilweise existieren regelrechte Zulieferstrukturen für gefälschte Profile, Anwendungen oder Geldwäschemechanismen. Dieses Modell wird auch als Crime as a Service bezeichnet.

Viele dieser Strukturen werden aus Südostasien gesteuert. Ermittlungsbehörden berichten von groß angelegten Callcenter ähnlichen Einrichtungen, in denen zahlreiche Personen systematisch neue Betrugsopfer kontaktieren.

Auswirkungen auf Betroffene und hohe Dunkelziffer

Die finanziellen Folgen für die Betroffenen sind häufig gravierend. In vielen Fällen verlieren Menschen einen erheblichen Teil ihres Vermögens. Neben dem wirtschaftlichen Schaden kommt es nicht selten zu erheblichen psychischen Belastungen. Scham und Angst führen dazu, dass viele Betroffene keinen Kontakt zu Behörden oder Beratungsstellen aufnehmen. Die Dunkelziffer bleibt entsprechend hoch.

Je später ein Betrugsfall erkannt wird, desto schwieriger wird es, Zahlungsströme nachzuvollziehen oder rechtliche Schritte einzuleiten. Frühzeitige Information und Aufklärung spielen daher eine zentrale Rolle.

Rechtliche Einordnung und Bedeutung der Aufarbeitung

Aus rechtlicher Sicht handelt es sich bei diesen Konstellationen regelmäßig um Anlagebetrug. Auch wenn Kryptowährungen technisch anonym erscheinen, sind Transaktionen grundsätzlich nachvollziehbar. Die juristische Aufarbeitung solcher Fälle erfordert neben rechtlicher Expertise auch ein Verständnis der technischen Hintergründe.

Eine vertiefte rechtliche Einordnung von Kryptobetrug und strukturierten Betrugssystemen wie Pig Butchering ist Bestandteil der fachlichen Auseinandersetzung mit digitaler Wirtschaftskriminalität. Weiterführende Informationen und Analysen stellt RU Law im Rahmen seiner Fachbeiträge zum Thema Kryptobetrug zur Verfügung.

FAQs – Häufig gestellte Fragen zum Kryptobetrug