Wer im Internet nach rechtlicher Unterstützung sucht, befindet sich häufig in einer ohnehin belastenden Situation. Oft geht es um finanzielle Verluste, den Verdacht auf Betrug oder die dringende Suche nach rechtlichem Beistand. Genau diese Lage nutzen sogenannte Fake-Kanzleien gezielt aus. Sie treten mit professionell gestalteten Websites auf, verwenden juristisch klingende Begriffe und erwecken den Eindruck seriöser anwaltlicher Tätigkeit – verfolgen jedoch in Wahrheit betrügerische Absichten.
Zwei aktuelle Beispiele zeigen besonders deutlich, wie diese Masche funktioniert: die Webseiten ruckfonds-legal.com und hengelermueller.online. Beide Seiten wirken auf den ersten Blick vertrauenswürdig. Bei genauerer Betrachtung offenbaren sich jedoch deutliche Warnsignale.
Wenn angebliche Kanzleien verlorenes Geld zurückholen wollen
Die Website ruckfonds-legal.com präsentiert sich als Kanzlei, die sich auf die Rückholung verlorener Gelder spezialisiert hat. Zielgruppe sind insbesondere Personen, die bei Online-Investments, Kryptowährungen oder unseriösen Handelsplattformen Geld verloren haben. In Aussicht gestellt werden schnelle Prüfungen, hohe Erfolgsquoten und eine professionelle rechtliche Durchsetzung von Ansprüchen.
Problematisch ist dabei vor allem, dass keine verlässlichen Nachweise für eine tatsächliche anwaltliche Tätigkeit vorliegen. Zwar wird eine deutsche Adresse angegeben, doch es fehlt an entscheidenden Informationen, die für eine seriöse Kanzlei selbstverständlich wären. Genannte Namen lassen sich nicht eindeutig dem bundesweiten amtlichen Anwaltsverzeichnis zuordnen, ebenso fehlt eine klare Zuordnung zu einer zuständigen Rechtsanwaltskammer.
Auffällig sind zudem die überzogenen Erfolgsversprechen. Hohe Rückzahlungsquoten oder vermeintlich garantierte Ergebnisse sind im anwaltlichen Berufsrecht unüblich und rechtlich unzulässig. Seriöse Rechtsanwälte klären realistisch über Chancen und Risiken auf und geben keine Garantien für den Ausgang eines Verfahrens.
In vielen Fällen endet der Kontakt damit, dass Betroffene zu Vorauszahlungen aufgefordert werden – etwa für angebliche Prüf-, Sicherheits- oder Gerichtskosten –, ohne dass tatsächlich eine rechtliche Leistung erbracht wird.
Wenn der Name einer bekannten Kanzlei missbraucht wird
Noch deutlicher wird der Betrugscharakter bei der Domain hengelermueller.online. Hier wird gezielt der Name einer renommierten deutschen Wirtschaftskanzlei verwendet, nämlich Hengeler Mueller.
Diese Kanzlei existiert tatsächlich und zählt zu den bekanntesten Adressen im Wirtschaftsrecht. Die echte Kanzlei betreibt jedoch ausschließlich ihre offizielle Website unter einer klar definierten Domain. Die Endung .online gehört ausdrücklich nicht dazu.
Derartige Domains werden häufig registriert, um Verwechslungen zu erzeugen oder für Phishing-Zwecke eingesetzt zu werden. Allein die Nutzung eines bekannten Kanzleinamens in Verbindung mit einer abweichenden Domain ist ein starkes Indiz für einen Täuschungsversuch.
Wichtig ist festzuhalten: Zwischen der echten Kanzlei Hengeler Mueller und der Website hengelermueller.online besteht keinerlei Verbindung.
Typische Merkmale von Fake-Kanzleien
Unabhängig von der konkreten Gestaltung lassen sich Fake-Kanzleien meist an wiederkehrenden Merkmalen erkennen. Dazu zählen insbesondere:
- Fehlende oder nicht überprüfbare Angaben zu zugelassenen Rechtsanwälten
- Kein Eintrag im bundesweiten amtlichen Anwaltsverzeichnis
- Unrealistische Erfolgsversprechen oder Garantien
- Unvollständige, widersprüchliche oder schwer auffindbare Impressumsangaben
- Missbrauch bekannter Kanzleinamen oder irreführende Domains
- Frühe Aufforderungen zu Zahlungen unter Zeitdruck
Gerade Personen, die bereits Opfer eines Betrugs geworden sind, laufen Gefahr, durch solche Angebote ein weiteres Mal geschädigt zu werden.
Was Sie im Zweifel tun sollten
Wenn Sie unsicher sind, ob es sich um eine seriöse Kanzlei handelt, empfiehlt es sich, einige grundlegende Prüfungen vorzunehmen. Überprüfen Sie, ob die genannten Rechtsanwälte im amtlichen Anwaltsverzeichnis geführt werden und ob eine klare Zuordnung zu einer Rechtsanwaltskammer besteht. Achten Sie auf vollständige Kanzleiangaben und seien Sie besonders vorsichtig bei Vorauszahlungen.
Bestehen weiterhin Zweifel, kann eine Nachfrage bei der zuständigen Rechtsanwaltskammer oder die Kontaktaufnahme mit einer bekannten, etablierten Kanzlei Klarheit schaffen.
Fazit
Fake-Kanzleien sind längst kein Einzelfall mehr. Sie treten professionell auf, nutzen gezielt Vertrauen und sprechen Menschen in schwierigen Situationen an. Webseiten wie ruckfonds-legal.com oder hengelermueller.online zeigen, wie wichtig es ist, rechtliche Anbieter kritisch zu prüfen.
Mit einem wachsamen Blick, einer kurzen Überprüfung zentraler Angaben und dem Wissen um typische Warnsignale lässt sich vermeiden, bei der Suche nach rechtlicher Hilfe erneut in eine Falle zu geraten.
